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Stadttauben

Ungeliebt, missverstanden und auf unsere Hilfe angewiesen

Image by Omar Ramadan

Historie: Vom Haustier zum Straßenvogel

Stadttauben sind keine echten Wildtiere. Sie stammen von der Felsentaube ab und wurden über Jahrhunderte vom Menschen gezüchtet und genutzt – als Brieftauben, Zuchttauben oder Hochzeitstauben. Besonders in Kriegszeiten galten Tauben als treue Helfer und Lebensretter: Sie transportierten wichtige Nachrichten über weite Strecken und retteten damit Menschenleben.

Heute jedoch sind ihre Nachkommen aus unseren Städten kaum wegzudenken – allerdings nicht als geschätzte Begleiter, sondern oft als ungeliebte „Straßentiere“. Viele Stadttauben wurden ausgesetzt oder entflogen und mussten lernen, in einer Umgebung zu überleben, die ihnen kaum geeigneten Lebensraum bietet.

Dabei tragen die Tiere bis heute die Folgen menschlicher Zucht: Der starke Fortpflanzungstrieb wurde ihnen über Generationen angezüchtet. Sie können nicht einfach aufhören zu brüten – es liegt in ihrer Natur. Ohne Betreuung führt das zu großem Leid für die Tiere und langfristig auch zu Problemen im Stadtbild.

Welches Bild hat man von Tauben?

„Ratten der Lüfte“ – ein hartnäckiges Vorurteil

Kaum ein Tier wird so häufig missverstanden wie die Stadttaube. Viele Menschen halten sie für schmutzig, krank oder lästig. Begriffe wie „Keimschleuder“ oder „Ratten der Lüfte“ prägen ihr Image – doch diese Aussagen entsprechen nicht der Realität.

Tauben sind von Natur aus äußerst reinliche Tiere. Sie pflegen ihr Gefieder sorgfältig, baden gern und verbringen viel Zeit mit Körperpflege. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen zudem, dass Stadttauben kein höheres Gesundheitsrisiko darstellen als viele andere Tiere, die selbstverständlich in unserer Nähe leben.

Auch der Vorwurf, Tauben seien „ungezähmte Schädlinge“, greift zu kurz. Tatsächlich handelt es sich bei ihnen um verwilderte Haustiere – Tiere also, die ursprünglich durch den Menschen domestiziert wurden und heute ohne ausreichende Versorgung in unseren Städten leben müssen.

Die Wahrheit: Hunger, Verletzungen und ein harter Überlebenskampf

Stadttauben ernähren sich eigentlich von Körnern und Samen. In unseren versiegelten Innenstädten finden sie jedoch kaum natürliche Nahrung. Deshalb suchen viele Tiere verzweifelt in Müll oder Essensresten nach Futter – was häufig zu Krankheiten und Mangelernährung führt.

Hinzu kommen schwere Verletzungen: Weggeworfene Haare, Schnüre oder Plastikfäden wickeln sich oft um ihre Füße. Dadurch wird die Durchblutung abgeschnürt, bis Zehen oder ganze Füße absterben. Viele Tiere leiden wochenlang unter starken Schmerzen.

Besonders dramatisch ist die Situation für Jungtiere. Ein Großteil der Taubenküken überlebt das erste Lebensjahr nicht. Während Tauben bei guter Versorgung über zehn Jahre alt werden könnten, sterben viele Stadttauben bereits nach wenigen Jahren an Hunger, Krankheiten oder Verletzungen.

Tauben sind intelligent und soziale Lebewesen

Tauben verfügen über erstaunliche Fähigkeiten. Sie erkennen menschliche Gesichter wieder, orientieren sich über enorme Distanzen und besitzen ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Innerhalb ihrer Schwärme kümmern sie sich umeinander und leben in festen Partnerschaften.

Studien zeigen außerdem, dass Tauben lernfähig sind und sich komplexe Muster sowie Bilder merken können. Sie sind empfindsame und intelligente Tiere – und verdienen unseren respektvollen Umgang.

Was man im Umgang mit Tauben NICHT tun sollte

Bitte nicht jagen oder absichtlich erschrecken

Tauben empfinden Stress, Angst und Schmerz. Werden sie aufgescheucht oder verfolgt, verlieren sie wichtige Energie, die sie dringend zum Überleben brauchen. Besonders Kinder sollten lernen, Tiere nicht aus Spaß zu jagen.

Kein ungeeignetes Futter werfen

Brot, stark gewürzte Speisen oder Essensreste machen Tauben krank. Wenn gefüttert wird, dann ausschließlich mit geeignetem Körnerfutter und möglichst an betreuten Futterstellen.

Verletzte Tiere nicht ignorieren

Tauben mit verletzten Füßen, sichtbaren Schnüren oder gebrochenen Flügeln benötigen Hilfe. Viele Städte und Tierschutzvereine verfügen über Pflegestellen oder Ansprechpartner für verletzte Stadttauben.

Wie wir Tauben schützen können

Betreute Taubenschläge und Futterstellen

Moderne Stadttaubenkonzepte – wie das sogenannte „Augsburger Modell“ – setzen auf tierfreundliche Lösungen statt Vertreibung. Dabei werden betreute Taubenschläge eingerichtet, in denen die Tiere artgerecht versorgt werden.

Dort erhalten sie gesundes Futter und sauberes Wasser. Gleichzeitig können Eier kontrolliert gegen Attrappen ausgetauscht werden, um die Population tierschutzgerecht zu regulieren. Das reduziert langfristig sowohl Tierleid als auch Verschmutzungen im Stadtgebiet.

Ein weiterer Vorteil: Gut versorgte Tauben bleiben bevorzugt an diesen geschützten Orten und halten sich seltener an sensiblen Bereichen wie Außengastronomie oder Einkaufspassagen auf. So profitieren Menschen und Tiere gleichermaßen.

Unser Appell

Stadttauben sind keine Plage – sie sind ein von Menschen geschaffenes Problem. Als ehemalige Haustiere sind sie auf unsere Verantwortung und unseren Schutz angewiesen. Mit Aufklärung, Mitgefühl und tierfreundlichen Konzepten können wir ein friedliches Zusammenleben ermöglichen.

Denn jedes Tier verdient Respekt, Fürsorge und die Chance auf ein würdevolles Leben.

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