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Auslandstierschutz
Auslandstierschutz - Ergänzung nicht Konkurrenz

Viele Menschen stellen die Frage: Warum Tiere aus dem Ausland holen, wenn doch die deutschen Tierheime voll sind? Diese Frage ist berechtigt – aber sie greift zu kurz. Denn Auslandstierschutz steht nicht im Gegensatz zum Inlandstierschutz, sondern kann ihn sinnvoll ergänzen und unterstützen.

Die Lage in deutschen Tierheimen

Eine bundesweite Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes (2023) zeigt:

Rund 69 % der deutschen Tierheime arbeiten an ihrer Kapazitätsgrenze, knapp die Hälfte ist bereits überfüllt [1]. Als Gründe nennen die Einrichtungen vor allem: gestiegene Tierarztkosten, Personalmangel, die wirtschaftliche Lage vieler Tierhalter und die „Corona-Folgen“ – viele während der Pandemie angeschaffte Tiere wurden später wieder abgegeben [2].

Hinzu kommt: Viele der in Deutschland abgegebenen Hunde sind schwierig zu vermitteln – sei es aufgrund von Alter, gesundheitlichen Problemen oder auffälligem Verhalten. Eine Analyse des Zentrums für Tierverhaltensforschung der Universität Bern (2021) beschreibt, dass überdurchschnittlich viele Hunde im Tierheim Verhaltensauffälligkeiten zeigen, die eine Vermittlung erschweren [3].

Auch der Deutsche Tierschutzbund berichtet, dass Tierheime zunehmend mit „Problemhunden“ zu tun haben, die lange Betreuung und teures Training benötigen [4].

Diese Situation bedeutet: Viele deutsche Tierheime leisten Enormes – aber sie stoßen an strukturelle und finanzielle Grenzen.

Warum Auslandstierschutz sinnvoll ist?

1. Rettung akuter Notlagen

In vielen Ländern Süd- und Osteuropas leben unzählige Hunde auf der Straße – häufig ohne Versorgung, unterernährt, krank oder in kommunalen Tötungsstationen. Dort fehlt es an Infrastruktur, Kastrationsprogrammen und Aufklärung. Seriöse Auslandstierschutz-Organisationen greifen genau hier ein: Sie retten, kastrieren, behandeln und vermitteln – transparent, rechtlich korrekt und mit Nachbetreuung.
 

2. Ergänzung statt Konkurrenz

Seriöser Auslandstierschutz ersetzt keine deutschen Tierheimhunde, sondern erweitert den Handlungsspielraum von Vereinen. Viele Organisationen arbeiten parallel regional: Sie sind vor Ort aktiv, finanzieren Kastrationsaktionen für Streunerkatzen, nehmen Problemhunde auf oder führen Resozialisierungen durch. Diese Aufgaben sind kostenintensiv – Vermittlungseinnahmen aus Auslandshunden helfen dabei, diese Arbeit zu finanzieren. Kurz gesagt: Erfolgreiche Auslandstierschutzarbeit kann Mittel freisetzen, die wiederum direkt in den heimischen Tierschutz fließen.

3. Auslandshunde sind oft gut geeignet für Familien

Ein weit verbreitetes Vorurteil lautet, Auslandshunde seien grundsätzlich „traumatisiert“ oder „nicht alltagstauglich“. Das stimmt so nicht. Viele Hunde in ausländischen Tierheimen leben in Gruppen, sind sozial verträglich und haben gelernt, sich in Rudeln zu bewegen [5]. Sie zeigen häufig ein gutes Sozialverhalten gegenüber Artgenossen und Menschen – ideale Voraussetzungen für ein harmonisches Familienleben.
Natürlich gibt es auch im Ausland Hunde mit schwieriger Vergangenheit, doch genauso finden sich dort viele freundliche, ausgeglichene und unkomplizierte Tiere, die sich hervorragend als Familien- oder Anfängerhunde eignen. Studien zur Sozialisation zeigen, dass Hunde, die in Gruppenhaltung aufwachsen, ein stabileres Sozialverhalten zeigen als isoliert aufgezogene Tiere [6]. Warum also sollten gerade diese Hunde keine Chance auf ein Zuhause bekommen?

4. Nachhaltige Hilfe vor Ort

Langfristig angelegter Auslandstierschutz bedeutet nicht nur Vermittlung. Er umfasst auch Kastrationskampagnen, medizinische Versorgung und Aufklärungsarbeit in den Herkunftsländern. Ziel ist es, die Populationen dauerhaft zu senken und Leid vor Ort zu verhindern [7]. Damit wird das Problem nicht „exportiert“, sondern an der Wurzel bekämpft.

Seriösen Auslandstierschutz erkennt man an:

  • Registrierung und Ansprechpartner in Deutschland (Impressum, Vereinsstatus)

  • Vorkontrolle und Beratung, um Hund und Halter optimal zu matchen

  • Medizinische Mindeststandards: Chip, EU-Heimtierausweis, Impfungen, Entwurmung

  • Nachbetreuung, Trainingsempfehlung und Rücknahmegarantie

  • Transparenz über Herkunft, Transport und Partnerorganisationen

 

So wird Auslandstierschutz zu einem stabilen, ethisch verantwortungsvollen Bestandteil der europäischen Tierschutzarbeit – und keine Konkurrenz für heimische Tierheime.

Unser Ansatz

Unser Verein verbindet regionale und internationale Tierschutzarbeit. Wir arbeiten vor Ort - führen Kastrationsaktionen für Streunerkatzen durch und nehmen auch schwierige Hunde zur Resozialisierung auf. Der Auslandstierschutz ist für uns ein finanzieller und organisatorischer Baustein, um diese Arbeit langfristig leisten zu können. Jedes vermittelte Tier – ob aus Deutschland oder dem Ausland – trägt dazu bei, andere Tiere zu retten, zu versorgen oder zu trainieren.

Seriös gelebter Auslandstierschutz ist daher kein Gegensatz, sondern eine Erweiterung des gemeinsamen Ziels: Leid mindern, Leben retten, Verantwortung übernehmen.

Quellen:

[1] Deutscher Tierschutzbund (2023): Umfrage: Tierheime sind überfüllt – nur 18 % haben noch Kapazitäten.
[2] Deutschlandfunk (2023): Tierheime am Limit – Corona-Folgen und wirtschaftliche Belastungen.
[3] Universität Bern, Zentrum für Tierverhaltensforschung (2021): Behavioural Profiles of Shelter Dogs and Adoption Outcomes.
[4] T-Online (2023): Tierheime haben mit Problemhunden zu kämpfen.
[5] Tierschutzliga Stiftung (2024): Sozialverhalten von Auslandshunden – Erfahrungen aus Gruppenhaltung.
[6] Miklósi, Á. (2015): Dog Behaviour, Evolution, and Cognition. Oxford University Press.
[7] Vier Pfoten (2022): Kastrationsprogramme in Südosteuropa – nachhaltige Straßenhundhilfe.

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